
Radverkehr 2026 in Papenburg - Was wollen die Bürger*innen?
Kaum ein Thema ist im Papenburger Wahlkampf so heiß, wie der Zustand der Radinfrastruktur und die Sicherheit im Radverkehr. Aber was brennt den Menschen in der Stadt am meisten unter den Nägeln? Der ADFC Papenburg hat sie gefragt.
Schauen wir in diesen Tagen auf die Wahlplakate der Parteien, scheinen sich (fast) alle einig zu sein: Die Interessen der Radfahrenden soll stärker berücksichtigt werden. Das war (mit Ausnahme der AFD) auch schon beim letzten Wahlkampf so. Deshalb muss es uns wundern, warum dann so Vieles weiterhin im Argen liegt.
Um den Parteien rechtzeitig vor dem Wahlkampf einen Überblick über die Prioritäten der Papenburgerinnen und Papenburger zu verschaffen, hat der ADFC Papenburg im Herbst/Winter 2025/26 eine Umfrage an verschiedenen Orten und Terminen durchgeführt. Über 100 Menschen aus Papenburg haben an dieser Umfrage teilgenommen. Das sind zwar nur 0,25 Prozent der Bevölkerung, aber wir haben auf eine gute Verteilung geachtet: Männer/Frauen, Alt/Jung, Radfahrende/Kraftfahrzeugfahrende, Bevorzugung unterschiedlicher Parteien, Personen mit und ohne Migrationshintergrund. Wir sind mit den Ergebnissen also zumindest dicht an einem repräsentativen Ergebnis.
Im März haben wir die Ergebnisse an die Parteien im Papenburger Stadtparlament versandt, damit sich die Parteien in ihren Wahlkämpfen mit den konkreten Wünschen auseinandersetzen können.
Wir haben nach Dringlichkeit und spezifischen Themen gefragt.

Hinsichtlich der Dringlichkeit wurde gefragt nach
- Hindernissen auf Radwegen.
- Breiten der Radwege.
- Oberflächen der Radwege & Fahrradstraßen.
- Sicheren Schulradwegen.
- Gute Abstellmöglichkeiten.
- Reinigung der Radwege.
- Wurzelbildung unter Radwegen.
- Sicherem Fahren auf der Straße.
Ebenfalls erfragten wir die Meinung unserer Mitmenschen zu konkreten Sachverhalten in der Stadt:
- Auffahrten auf Radwege.
- Führung des Radverkehrs vor Kreisverkehren auf der Straße (kein toter Winkel = weniger Unfälle).
- Piktogrammketten für mehr Sicherheit auf den Hauptverkehrsstraßen.
- ARAS „Aufgeweiteten RadAufstellStreifen“ für Radfahrende an Ampeln (mehr Sicherheit).
- Mehr Geld im Haushalt für Radverkehr.
- Schulstraßen vor den Schulzentren.
- Bei defekten Radwegen bis zur Reparatur Radverkehr regulär auf der Straße.
- Verlängerung der Fahrradstraße Bülte bis zur Bahn in Aschendorf.
- Ausbau des Fahrradstraßen-Netzes.
Hier die Ergebnisse im Einzelnen:
Teil A - Was am dringendsten erledigt werden muss:
Bei den Sofort-Maßnahmen fällt das Votum der Papenburgerìnnen eindeutig aus.
Platz 1: Wurzelbildung unter den Radwegen
- 87,7% der Papenburger*innen sehen die Behebung der Radwegschäden durch Wurzelbildung an der Spitze der notwendigen Erste-Hilfe-Maßnahmen.
Platz 2: Bessere Radschulwege für Schülerinnen und Schüler
- 85,7% denken, dass sich dringend um sicherere Schulwege gekümmert werden muss.
Platz 3: Buckelpisten statt Radwege
- 84% beklagen den desaströsen Zustand der Oberflächen unserer Radverkehrsanlagen.
Platz 4: Sicherheitsempfinden deutlich beeinträchtigt
- 77,7% wünschen sich mehr Sicherheit für den Radverkehr auf der Straße.
Platz 5: Breite der Radwege
- 75,7% beklagen unzureichende Breiten der Radwege..
Platz 6: Hindernisse auf Radwege
- 71,5% wünschen sich die Beseitigung von Hindernissen auf unseren Radwegen.
In einigen Fällen können Rollstuhlfahrende die Nebenanlagen an manchen Tagen gar nicht nutzen.

Teil B - Konkrete Maßnahmen
Auch hier gibt es bei unserer Bevölkerung kaum zwei Meinungen:
Platz 1: Mehr Geld für den Radverkehr
- 94% der von uns Befragten halten mehr Geld für den Radverkehr im Haushalt für nötig.
- Der ADFC Papenburg setzte sich bereits in der vergangenen Legislatur für einen Mindestbetrag von 15 Euro pro Einwohner*in und Jahr für den Radverkehr ein
Platz 2: Mehr Fahrradstraßen
- 94% unterstützen den Ausbau des Fahrradstraßen-Netzes.
- Dank guter Lobbyarbeit des ADFC Papenburg hat die Bürgermeisterin fast 30 Kilometer in Papenburg als Fahrradstraßen umwidmen lassen. Jetzt gilt es diese zu verbessern und auszubauen
Platz 3: Schulstraßen machen Schulen und Kindergärten für Kinder sicherer
- 92% halten sogenannte Schulstraßen vor den Schulzentren für eine geeignete Maßnahme.
- Dank des ADFC Niedersachsen brachte die Landesregierung den Erlass zu Schulstraßen heraus. Jetzt können die Kommunen Schulen und Kindergärten mit Schulstraßen sicherer machen.
Platz 4: Piktogrammketten erhöhen die Sicherheit auf der Straße
- 82% wünschen sich mehr Piktogrammketten auf den Papenburger Hauptstraßen.
- Dank des Erlasses von Olaf Lies zu Piktogrammketten kann auch Papenburg jetzt rechtssicher Piktogrammketten auf Hauptverkehrsstraßen wie z.B. Friesenstraße, Russelstraße oder die Johan-Bunte-Straße anbringen. Das macht das Radfahren wie bereits auf der Friederikenstraße sicherer.
Platz 5: Tempo 30 verbessert das Fahrradklima und reduziert schwere Unfälle
- 81% unterstützen Tempo 30 an ausgewählten Straßen in der Stadt.
- Als ADFC unterstützen wir dieses bürgerliche Ansinnen. Tempo 30 kann an vielen Stellen in Papenburg realisierte werden.
Platz 6: ARAS schützen davor, Radfahrende zu übersehen
- 80% glauben trotz geringer Bekanntheit, dass der Einsatz von ARAS eine gute Sache ist.
- In anderen Städten sind sie bereits Normalität: die roten Aufstellstreifen vor den Ampeln für den Radverkehr.
Kein Gequetsche der Radfahrenden mehr an den Ampelanlagen (Beispiel Fahnenweg).
Stattdessen mehr Sicherheit, weil die Fahrräder bei den Aufgeweiteten Radaufstellstreifen (ARAS) vor den Autos stehen.
Platz 7: Verlängerung der Bülte bis zur Bahn in Aschendorf
- 79,6% der Befragten unterstützen die Verlängerung der Fahrradstraße Bülte bis zur Bahn in Aschendorf.
- Der ADFC Papenburg hält überdies einen Fahrradtunnel am Ende einer solchen Verlängerung ebenfalls für sinnvoll.
So kann der Schulverkehr vom Schulzentrum Aschendorf sicherer Richtung Papenburg geführt werden.
Platz 8: Radverkehr vor Kreisverkehren auf der Straße führen
- 69% der Befragten glauben, dass diese Maßnahme die Verkehrssicherheit an den Kreisverkehren erhöhen kann.
- Ein Unfall am Kreisel Osterkanal, bei der eine Schülerin von einem LKW-Fahrenden übersehen, eingeklemmt und schwer verletzt wurde, hat uns in schrecklicher Weise die Gefahr von Unfällen in Folge eines toten Winkels vor Augen geführt. Die Fahrradstadt Nordhorn hat vorgemacht wie es besser geht: Hier wird der Radverkehr beizeiten auf die Straße und dann durch den Kreisverkehr geführt. Das hat zu einer deutlichen Reduktion entsprechender Unfälle geführt.








